Kreuzbandriss beim Hund (TTA)

Tibial Tuberosity Advancement (TTA) für die Behandlung des Kreuzbandrisses

2002 entwickelten Montavon und Tepic (Univ. Zürich) eine neue Methode (Tibial Tuberosity Advancement), die ebenso wie die TPLO die Biomechanik des Gelenks berücksichtigt, gleichzeitig aber weniger invasiv verläuft. Während bei der TPLO noch der komplette Unterschenkelknochen mit einer Säge durchtrennt und in einer neuen Konfiguration wieder verplattet werden muss, kommt die TTA mit dem Durchtrennen und Verplatten eines kleinen, nicht Gewicht tragenden Teils am Unterschenkelknochen aus. Die Operationsmethode ist bestechend in ihrer Logik und für den Patienten mit deutlich weniger Risiko behaftet.

Seit 2006 führen wir die TTA – Tibial tuberosity advancement-  durch.

Die Methodik der TTA

  • causale Behandlung über die Veränderung der Biomechanik
  • geringe Traumatisierung
  • Osteotomie im nichttragenden Teil
  • sehr frühe Belastung
  • hervorragendes Resultat
  • die bessere Alternative zur TPLO

Die bisherigen Kreuzband Operationstechniken – mit Ausnahme der TPLO – lassen die Biomechanik des Knies weitgehend aussen vor. Sie ersetzen das Band, lassen aber die Ursache für dessen Beschädigung unberücksichtigt.

Ein kurzer Abstecher in die Biomechanik:

Das Körpergewicht drückt mit dem Kraftvektor F1 zum Erdboden hin und würde das Knie durchbeugen , wenn nicht der M. quadriceps durch Zug auf das Patellarband mit dem Kraftvektor F2 dem entgegenwirken würde. (Abb.1) Die Kräfte F 1 und F 2 sind annähernd parallel.

Eine weitere wichtige Achse ist das Tibiaplateau, was durch die Ansatzstellen des vorderen und hinteren Kreuzbandes definiert wird. Würde das Patellarband zum Tibiaplateau einen rechten Winkel bilden, gäbe es keine resultierende Scherkraft F3 (Abb.2), die den Femur nach caudal gleiten ließe. In diesem Fall wäre das Kreuzband sogar vollkommen überflüssig.

Da die Achse der Kräfte F1 und F2 mit dem Tibiaplateau aber eher einen Winkel von 115 ° bilden ( Abb.2 ) muss das Abgleiten des Kondylus vom vorderen Kreuzband aufgefangen werden. Dies führt bei den betroffenen Patienten zu Mikrotraumen in der Struktur des Bandes, bis es schließlich reisst. Oft geht dem Riss aber eine längere, mitunter rezidivierende Lahmheit voraus. Die erste Operationsmethode, die diese biomechanischen Gegebenheiten berücksichtigt hat, war die Tibia Plateau Levelling Osteotomy (TPLO) von Slocum.

Bei dieser Technik wird der Tibiakopf bogenförmig mit einer speziellen Säge abgetrennt und so gekippt, daß keine Kräfte mehr auf das vordere Kreuzband entstehen, die Notwendigkeit dieses Bandes also entfällt. Anschließend wird der abgetrennte Teil wieder in seiner neuen Position verplattet.

Die Methode hat sehr gute Erfolge, ist aber kompliziert und sehr invasiv. Bei der Durchtrennung können Nerven und Gefäße leicht beschädigt werden, was letztlich zu einem völligen Verlust der Gliedmaße führen kann. Die chirurgische Kleintierklinik der Universität Zürich hat eine Methode entwickelt, die noch besser die Biomechanik berücksichtigt , viel weniger invasiv ist und nur eine verschwindend geringe Komplikationsrate hat: die TTA Tibial Tuberosity Advancement.

Auch hier ist eine Osteotomie notwendig, aber im nichttragenden Teil der Tibia! Durch Verlagern der Crista tibia nach cranial wird ein rechter Winkel zwischen den Kraftvektoren F1 und F2 und dem Tibiaplateau erreicht und somit das Kreuzband überflüssig. (Abb.3)

Der Abstand zwischen der Crista tibia und der Tibia selbst wird durch einen Abstandhalter, einen „Cage“ aus Titan gewährleistet. Eine spezielle Platte sorgt für eine stabile Vereinigung mit dem Knochen, der Hohlraum dazwischen wird mit Spongiosa aufgefüllt, die aus dem Operationsgebiet entnommen werden kann.

Die TTA vermindert zudem den Anpressdruck der Patella auf die Gelenkrolle und den Anpressdruck zwischen Tibia und Condylus indem der Hebelarm verlängert wird und so alle notwendigen Kräfte zur Bewegung des Kniegelenks reduziert werden. Die TPLO im Gegensatz dazu verstärkt die Kraft auf die Patellarsehne durch eine Verkürzung des Hebelarms, was zu einer Erhöhung dieser Kräfte führt. Nicht selten sind deshalb bei der TPLO Entzündungen des Patellarbandes die Folge.

Die TTA ist aufgrund ihrer Logik, ihrer geringen Invasivität und ihres unmittelbar nach der Operation einsetzenden Erfolgs , die Methode der Wahl für die Behandlung des Kreuzbandrisses.

Häufig gestellte Fragen

Die Methode wurde an der Chirurgischen Kleintierklinik der Universität Zürich von Prof. Montavon und Dr. Damur entwickelt. Inzwischen bieten auch große Kliniken in den Vereinigten Staaten die OP-Methode als Alternative zur TPLO an. Die ersten tausend Fälle wurden weltweit mit großem Erfolg operiert. In der Tierklinik Dr. Maurer werden pro Woche zwei bis drei Patienten so behandelt.

Die meisten Hunde laufen schon am ersten postoperativen Tag auf dem betroffenen Bein. Rüden bringen schon am ersten Tag das volle Körpergewicht auf das OP-Bein und heben das gesunde Bein zum Urinabsatz an.

Der Spalt zwischen der Crista tibiae und der Tibia selbst ist im proximalen Teil nach ca. 6 Wochen röntgendicht. Ab der 10. Woche ist wieder eine uneingeschränkte Belastung möglich.

Nein. Es handelt sich um reine Titan-Implantate.

ca. 1 ½ Stunden

Der OP-Tag beläuft sich auf ca. 1.200 € netto (zuzüglich der aktuell gültigen Mehrwertsteuer).

Gerade dann ist diese Methode empfehlenswert, weil sie im Gegensatz zur TPLO den Anpressdruck zwischen Femur und Tibia und zwischen Condylus und Patella mindert.

Ja, aber der Verband soll schon am dritten Tag post OP entfernt werden.

Weil sie die Osteotomie in einem nicht tragenden Teil des Knochens durchführt und die Gefahr der irreparablen Weichteilverletzung erheblich geringer ist.

Die herkömmlichen Methoden, das Band zu ersetzen, haben in der Vergangenheit ebenfalls zumeist befriedigende klinische Ergebnisse gebracht. Sie lassen aber die biomechanischen Gegebenheiten unberücksichtigt. Die „state of the art“ Methode, also das dem Stand der Wissenschaft entsprechende Vorgehen, ist zweifellos die TTA oder, mit ihren Nachteilen, die TPLO.